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Abheben in die Zukunft - Zertifikatskurs Aerospace Engineering

  • von Wolfgang Finke
  • 02. Februar 2026
  •    ·   
    Lesedauer: 8 Minuten

Mit dem modularen Zertifikatskurs gelingt der Quereinstieg von Ingenieur*innen und Techniker*innen in die Luft‑ und Raumfahrtbranche.

1. Aufwind für Ingenieure und Techniker: Der perfekte Moment für den Quereinstieg in die Aerospace Branche

Die Luft‑ und Raumfahrtbranche erlebt derzeit einen starken Aufschwung: neue Projekte, wachsende Investitionen und damit zahlreiche Jobmöglichkeiten. Mit einer gezielten Qualifizierung können Sie diese Perspektiven nutzen.

Mit dem modularen Zertifikatslehrgang „Aerospace Engineering“ – entwickelt von der Hochschule Karlsruhe, der Universität Stuttgart und der Universität Ulm – eröffnen sich neue Karrierewege für Quereinsteiger. In kompakten Re‑ & Upskilling‑Modulen vermittelt er praxisnahe Kenntnisse, die den Einstieg und den Aufstieg in der Branche erleichtern.

Ziel ist es, Sie bei den aktuellen Transformationsprozess am Arbeitsmarkt zu begleiten und Ihnen nachhaltig neue, zukunftssichere Karrierewege zu eröffnen. Leben heißt lernen – und mit dem Zertifikatskurs Aerospace Engineering gehen Sie den nächsten Schritt.

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2. Der Himmel als Wachstumsmarkt: Wie groß ist das Potenzial von Aerospace Engineering?

Viele klassische Industrien befinden sich aktuell im Umbruch: Elektromobilität, digitale Plattformen und neue Lieferketten verändern das klassische Geschäftsmodell. Eine Entwicklung, die auch in Baden-Württemberg spürbar ist. Gleichzeitig erlebt die Luft‑ und Raumfahrtbranche eine historisch einmalige Wachstumsphase. In den nächsten 20 Jahren werden rund 43 000 neue Flugzeuge benötigt mit einem Marktvolumen von etwa 9 000 Milliarden US‑Dollar.

Das Land Baden‑Württemberg hat diese Entwicklung erkannt und positioniert sich mit der Initiative „Aerospace Land“ als deutscher Hub für Raumfahrt‑ und Flugzeugtechnologie. Durch die enge Zusammenarbeit von Industrie, Forschung und den staatlichen Hochschulen soll ein starkes Netzwerk entstehen, das nicht nur innovative Technologien fördert, sondern auch qualifizierte Fachkräfte anzieht und ausbildet.  

Die Chancen in der Luft- und Raumfahrt-Industrie sind ausgezeichnet. Sie verzeichnet ein durchschnittliches Wachstum von 6 %. In Baden‑Württemberg beträgt es sogar 9 %, nicht zuletzt dank der Initiative „Aerospace Land“ und intensiver Förderprogramme.

3. Vom Schaltkasten zum Cockpit – Was ist beim Branchenwechsel zu beachten?

Der Umstieg von der Automobil‑ in die Luft‑ und Raumfahrtindustrie ist kein bloßer Jobwechsel. Er erfordert einen grundlegenden Paradigmen‑Shift. Selbst erfahrene Ingenieur*innen müssen ihr fachliches Know‑how als auch die Arbeitsweise an die besonderen Gegebenheiten der Luft- und Raumfahrt-Branche anpassen. Der Zertifikatskurs Aerospace Engineering vermittelt branchenspezifische Perspektiven und macht fit für die Anforderungen der Luft- und Raumfahrtindustrie. 

Sie unterscheidet sich von anderen Branchen wie Maschinenbau oder Automotive bereits in ihrer Sprache. Begriffe wie „Traceability“, „Use‑Case“ oder „Software‑Unit‑Test“ kommen zwar in beiden Bereichen vor, haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen. Werden sie etwa im Bereich Automotive für Qualitäts‑ und Entwicklungsprozesse in der Serienfertigung genutzt, besitzen dieselben Begriffe in der Luft‑ und Raumfahrt rechtlich bindende Definitionen ‒ durchaus mit juristischen Folgen, erläutert Prof. Dr.-Ing. Ahmadi: "Mit normalen Arbeitsgewohnheiten in der Automotive Umfeld kann man sich in der Luftfahrt leider relativ schnell strafbar machen, weil die Sicherheitsanforderungen viel strenger sind und die Begriffe anders verstanden werden."

Eine weitere Barriere liegt in dem Silo‑Denken der Automobilindustrie, das auf Serienfertigung und stark fragmentierte Abteilungen setzt. In der Luft‑ und Raumfahrt hingegen dominieren Einzelfertigungen und Kleinstserien, die ein ganzheitliches Systemdenken erfordern. Der Blick muss vom einzelnen Bauteil zum Gesamtsystem wechseln.

Auch die Sicherheitsphilosophie in der Luft‑ und Raumfahrt basiert auf grundlegend anderen Gegebenheiten. Die Risikoakzeptanz in der Luft- und Raumfahrt-Industrie ist deutlich niedriger als zum Beispiel im Bereich Automotive. Aus gutem Grund, sagt Prof. Dr. Ing. Stefanos Fasoulas (Universität Stuttgart): "In der Raumfahrt können Sie keine Rückrufaktion starten."

4.  Vier Module, ein Ziel: Ihr Weg zum Aerospace-Experten

Der Zertifikatskurs Aerospace Engineering besteht aus vier aufeinander abgestimmten Modulen, die jeweils ein zentrales Themenfeld der Luft‑ und Raumfahrt abdecken.

Jedes Modul umfasst 7 Tage, der gesamte Weiterbildungskurs insgesamt 28 Tage. Der Lehrgang ist berufsbegleitend und als Blended‑Learning (Präsenz + Online‑Module) konzipiert, die individuelle Zeitplanung kann flexibel gestaltet werden.

Durch die Kombination aus praxisnahen Inhalten und erfahrenen Dozent*innen erhalten Sie ein umfassendes Kompetenzpaket, das sie gezielt auf die speziellen Anforderungen der Luft‑ und Raumfahrt vorbereitet.

Modul
Inhalte
Studienort / Format / Dozent*innen
Einführung Raumfahrt – Fundamentals of Spacecraft Technology
• Grundlagen von Raumfahrzeugen und deren Hauptkomponenten • Einfluss von Weltraumbedingungen (Strahlung, Temperatur, Teilchen) • Grundlagen der Bewegungssteuerung und Orientierungskontrolle
Universität Stuttgart, Präsenz/Online Blended (7 Tage), Prof. Dr.-Ing. Stefanos Fasoulas, Dr.-Ing. Constantin Traub  (beide Universität Stuttgart)
Aerospace Systems Engineering
• Anforderungen und Management von Luftfahrtsystemen • Sicherheitsanalyse und Bewertung nach anerkannten Standards • Überblick über Flug und Steuerungstechnik, Navigation und Kommunikation sowie Redundanzstrategien
Hochschule Karlsruhe, Präsenz/Online Blended (7 Tage), Prof. Dr.-Ing. Reza Ahmadi (Hochschule Karlsruhe, Studienleiter)
Aerospace Sensorik – Radar
• Grundlagen der Hochfrequenztechnik • Funktionsweise von Radar, Signalerzeugung und digitale Auswertung • Simulationen und Praxisübungen zur Abstand, Geschwindigkeits- und Winkelbestimmung
Hochschule Karlsruhe, Präsenz/Online Blended (7 Tage), Prof. Dr.-Ing. Serdal Ayhan  (Hochschule Karlsruhe, Leitung), Prof. Dr.-Ing. Christian Waldschmidt, Dr.-Ing. Martin Hitzler (beide Universität Ulm)
Aerospace Software Engineering
• Projekt und Qualitätsmanagement für sicherheitskritische Software • Strukturierte Entwicklungs und Verifikationsprozesse • Aufbau von Software Architekturen und praktische Umsetzung von Design bis Test
Hochschule Karlsruhe, Präsenz /Online Blended (7 Tage), Dipl.-Ing. Matthias Lehmann (Universität Stuttgart, Leitung), Prof. Dr.-Ing. Reza Ahmadi (Hochschule Karlsruhe)

Mit dem erfolgreichen Abschluss aller vier Module mit Prüfungsleistungen erwerben die Absolvent*innen das Diploma of Advanced Studies (DAS) Aerospace Engineering.

Der Abschluss ist anerkannt nach dem Europäischen System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS). Absolvent*innen erwerben international vergleichbare Studienpunkte. Für jedes Modul werden 7 - 8 ECTS-Punkte vergeben, 30 ECTS-Punkte für den gesamten Weiterbildungskurs.

Der modulare Aufbau des Weiterbildungsprogramms erlaubt es zudem, nur einzelne Module zu belegen – ganz nach den persönlichen und beruflichen Bedürfnissen. Auch eine Teilnahme bzw. Zertifikatsbescheinigung ohne Prüfung ist möglich.

5. Von Ingenieur bis Techniker: Wer vom Aerospace Zertifikat profitiert

Der Zertifikatskurs Aerospace Engineering richtet sich an Fach‑ und Führungskräfte mit einschlägiger Berufserfahrung. Als ideale Teilnehmende gelten Ingenieur*innen aus den Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Mechatronik sowie Naturwissenschaftler*innen mit einem Hintergrund in Physik, Chemie oder Materialwissenschaften. Darüber hinaus sind erfahrene Techniker*innen aus der Automobil‑, Elektronik‑ oder Maschinenbaubranche herzlich eingeladen, am Kurs teilzunehmen.

Die Motivation, neue Fachkompetenzen zu erwerben und den eigenen Kompetenzkatalog zu erweitern, ist das zentrale Kriterium für alle Bewerber*innen. Prof. Dr.-Ing. Stefanos Fasoulas stellt klar: "Die Motivation ist das A und O. Wer bereit ist, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, findet im Aerospace‑Umfeld nicht nur einen Job, sondern eine Berufung."

Der Zertifikatskurs fördert zudem gezielt Future Skills, also Kompetenzen, die in den kommenden Jahren in technologie‑ und datenintensiven Branchen entscheidend werden. In projektbasierten Team‑Work‑Sessions in den Modulen trainieren Sie das iterative, nutzerorientierte Vorgehen des Design Thinking; durch gezielte Kommunikations‑ und Projektmanagement‑Übungen wird Digital Leadership gestärkt.

Durch die Kombination aus fachlicher Tiefe, praxisnahen Projekten und dem Fokus auf zukunftsweisende Kompetenzen erhalten Sie ein strukturiertes Kompetenzpaket, das Sie gezielt auf Aufgaben in der Luft‑ und Raumfahrt vorbereitet.

6. Einsteigen, aufsteigen: Wie Aerospace Engineering Ihre Karriere beflügelt

Der Einstieg in die Luft‑ und Raumfahrt eröffnet die Perspektive auf eine langfristig gesicherte Karriere. In dieser Branche erstrecken sich Projektzyklen typischerweise über ein ganzes Jahrzehnt – die Mitarbeitenden begleiten ein Flugzeug von der ersten Konzept‑ und Machbarkeitsstudie über die Serienentwicklung bis hin zur Ausmusterung und dem Rückbau. Diese langen Lebenszyklen schaffen kontinuierliche Beschäftigung und erlauben, tiefe Fachkenntnisse aufzubauen und über Jahre hinweg Verantwortung zu übernehmen.

Zudem ist der aktuelle Fachkräftemangel in der Luft‑ und Raumfahrt deutlich spürbar. Unternehmen suchen gezielt nach Kandidat*innen, die den spezifischen „Dialekt“ der Branche beherrschen und die hohen Sicherheitsanforderungen verstehen. Prof. Dr-Ing. Reza Ahmadi betont: „Der Fachkräftemangel lässt Unternehmen aktiv nach Spezialistinnen suchen, die die branchenspezifische Sprache sprechen.“

Ein anerkanntes DAS‑Zertifikat (Diploma of Advanced Studies) liefert den entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Das Zertifikat ist von der evalag zertifiziert, der zentralen Akkreditierungs‑ und Evaluierungsstelle für die Weiterbildung in Deutschland. Das von ihr verliehene Qualitätssiegel stellt sicher, dass das Curriculum internationalen Standards entspricht und regelmäßig von Industrie‑ und Forschungsexpert*innen geprüft wird. "Ein evalag‑zertifiziertes DAS‑Zertifikat signalisiert Arbeitgebern höchste Qualitätsstandards und eröffnet Türen zu anspruchsvollen Projekten", weiß Studienleiter Prof. Dr.-Ing. Reza Ahmadi.

Neben dem formalen Abschluss profitieren Sie von einem hochkarätigen Netzwerk. Das Kursumfeld verbindet führende Dozent*innen, Industriepartner wie Airbus, ESA und Hensoldt sowie eine aktive Alumni‑Community.

Durch die Kombination aus stabilen, langfristigen Projekten, einem evalag‑geprüften DAS‑Zertifikat, einem branchenrelevanten Netzwerk und den gezielt vermittelten Future Skills erhalten Absolvent*innen des Weiterbildungskurses ein klares Plus am Arbeitsmarkt und können sofort Verantwortung in einer wachsenden, sicherheitskritischen Branche übernehmen.

Und dennoch: Die Faszination für Luft- und Raumfahrt ist − neben den ausgezeichneten beruflichen Perspektiven − vielleicht der stärkste Antrieb, den Umstieg zu wagen. Mit Augenzwinkern warnt Dr.-Ing. Constantin Traub (Uni Stuttgart) die Interessierten: "Raumfahrt ist ein Virus – wenn Sie den Kurs erst einmal belegt haben, werden Sie infiziert sein."

7. Starten Sie jetzt: So melden Sie sich zum Zertifikatskurs an

Entdecken Sie, wie Sie dem modularen DAS‑Zertifikat den Sprung vom Automobil‑ in den Luft‑ und Raumfahrtsektor meistern können. Informieren Sie sich zu den einzelnen Modulen und sichern Sie sich Ihren Platz im nächsten Kurs.

Prof Dr-Ing Reza Ahmadi

Prof. Dr.-Ing. Reza Ahmadi ist Professor für Aeronautical Engineering und Head of Aerospace an der Hochschule Karlsruhe.  

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Prof. Dr.-Ing. Stefanos Fasoulas ist Geschäftsführender Direktor am Institut für Raumfahrtsysteme an der Universität Stuttgart und Professor für Raumtransporttechnologie.

Traub

Herr Dr.-Ing. Constantin Traub ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Raumfahrtsysteme an der Universität Stuttgart.

Quellenverzeichnis

Primärquellen & Experteninterviews

  1. Transkript des Interviews mit Prof. Reza Ahmadi (Hochschule Karlsruhe)

  2. Transkript des Interviews mit Prof. Stefanos Fasoulas und Dr. Constantin Traub (Universität Stuttgart, IRS).

  3. https://www.h-ka.de/iww/aerospace-engineering/ueberblick

  4. https://www.suedwissen.de/weiterbildung-finden/technik/aerospace-engineering-3160

  5. Boeing Commercial Market Outlook 2023–2042 - https://www.boeing.com/commercial/market/commercial-market-outlook/

  6. Airbus Global Market Forecast 2023–2042 - https://www.airbus.com/en/products-services/commercial-aircraft/market/global-market-forecast

  7. Strategiepapier „Aerospace Land“ Baden-Württemberg, Wirtschaftsministerium BW - https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/innovation/the-aerospace-laend