

Zukunft der Arbeit: Berufe mit dem größten Fachkräftebedarf
- von Wolfgang Finke
- 15. Oktober 2025
- · Lesedauer: 7 Minuten
Trotz der aktuellen Turbulenzen: Der Bedarf an Fachkräften wird auch in Zukunft weiter steigen. Mit der richtigen Weiterbildung optimieren Sie jetzt Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Wohin entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Fachkräfte?
Aktuell ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften zwar rückläufig. In den nächsten Jahren jedoch wird der Arbeitsmarkt wieder an Dynamik gewinnen. Demografischer Wandel und technologische Trends sind mächtige Treiber und verstärken die Nachfrage nach gut ausgebildetem Fachpersonal. Mit der richtigen Weiterbildung können Arbeitnehmer diese Entwicklungen jetzt für ihr berufliches Weiterkommen nutzen.
Wie beeinflussen globale und lokale Wirtschaftstrends den Bedarf an Fachkräften?
In den vergangenen zwei Jahren (seit 2023) ist der Fachkräftemangel leicht zurückgegangen. Die Lücke zwischen den angebotenen offenen Stellen und der Zahl der dafür zur Verfügung stehenden Fachkräfte verringerte sich um etwa 24 % – von dem Allzeithoch von 632.000 fehlenden Fachkräften im Jahr 2022 auf 487.000 im vergangenen Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,2 % auf 6,3 %.
Als Gründe für die Entwicklung werden die Unsicherheiten durch den Krieg gegen die Ukraine, die weltweiten Handelskonflikte, aber auch die mangelnde Dynamik der deutschen Wirtschaft genannt.
Dennoch kann von einem Ende des Fachkräftemangels keine Rede sein. Im Gegenteil: Für die Zukunft gehen Fachleute von einem weiter steigenden Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmern aus. Von dem im Juni 2025 beschlossenen Investitionsprogramm der Bundesregierung werden schon bald zusätzliche Arbeitsplätze und eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes erwartet. Vor allem die geplanten Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz, Infrastruktur und Rüstung werden für einen steigenden Fachkräftebedarf in diesen Bereichen sorgen.
Welche langfristigen Entwicklungen bestimmen den Arbeitsmarkt?
Über konjunkturelle Schwankungen hinaus werden langfristige Trends und tiefgreifende Veränderungstendenzen den Arbeitsmarkt in Deutschland prägen. Hier sehen die Prognosen einen hohen Bedarf an Fachkräften voraus. Vor allem zwei Faktoren werden die Nachfrage nach Fachkräften in den kommenden Jahren nachhaltig beeinflussen:
der demografische Wandel
die technologischen Transformationen
Welche Bedeutung hat der demografische Wandel für den Arbeitsmarkt?
Im nächsten Jahrzehnt scheiden die geburtenstarken Jahrgänge in Deutschland aus dem Berufsleben. Die Babyboomer gehen in den Ruhestand, die nachrückende Generation der Berufsanfänger kann deren Ausscheiden zahlenmäßig bei weitem nicht ausgleichen. Auch der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit oder die Aktivierung von bislang nicht oder nur in Teilzeit beschäftigten Menschen werden diese Lücke bestenfalls verkleinern, nicht aber schließen.
Ab 2035 werden die Babyboomer den Arbeitsmarkt verlassen haben und die zugewanderten Menschen in den Arbeitsmarkt integriert sein. Dann wird sich das Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot von Arbeitskräften langsam wieder angleichen und die Zahl der Erwerbstätigen sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren.
Eine weitere Folge des demografischen Wandels ist die Alterung unserer Gesellschaft. Weniger Berufstätigen steht eine größere Zahl an Ruheständlern gegenüber. Der Bedarf an Fachkräften in vielen Pflege- und Gesundheitsberufen wird deshalb deutlich steigen.

Grafik: Engpassbetrachtung der Bedarfs und Angebots an Pflegekräften
Infolge der Alterung der Gesellschaft werden in Deutschland bis zum Jahr 2049 voraussichtlich zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. In Vorausberechnung des Statischen Bundesamts bleibt auch in der optimistischen Variante eine Fachkräftelücke bestehen.
Wie wirkt sich die technologische Entwicklung auf den Fachkräftebedarf aus?
Technologischer Wandel, fortschreitende Digitalisierung und die Notwendigkeit, den Klimawandel zu bewältigen, erfordern mehr qualifizierte Arbeitskräfte. Die Voraussagen für die Branche Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sind eindeutig: Bis zum Jahr 2040 soll sich die Fachkräftelücke in Deutschland von fast 153.000 auf über 662.000 mehr als vervierfachen.
Grafik: IT-Fachkräftelücke vervierfacht sich
Auch die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) in zahlreichen Anwendungsbereichen wird die Nachfrage befeuern. Inwieweit durch KI und Automatisierung auch Arbeitsplätze verlorengehen, wird zurzeit intensiv diskutiert. Mögliche Verluste werden aber wahrscheinlich vor allem andere Berufsgruppen treffen.
Großer Bedarf an qualifizierten Beschäftigen wird auch für die Energiewende und den Ausbau der Energieträger Solar, Wind und Wasserstoff veranschlagt: Bis zum Jahr 2030 sind mehr als eine halbe Million Fachkräfte erforderlich, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Und das nicht nur in „Klima-Berufen“, sondern auch in den Bereichen Logistik und Transport oder Planung und Administration.
Zudem führt die Erhöhung der Verteidigungsausgaben und der steigende Bedarf an Rüstungsgütern zu einer höheren Nachfrage nach Fachkräften mit ähnlichen Qualifikationen in der Rüstungsindustrie.
Individuelle Chancen ergreifen durch gezielte Weiterbildung
Arbeitnehmer können die technologischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Trends für ihr berufliches Weiterkommen nutzen. Mit der richtigen Qualifizierung sind sie gefragte Arbeitskräfte in den Zukunftsbranchen. Sie stärken so ihre Verhandlungsposition und können ihre Verdienstmöglichkeiten und die Chancen auf einen schnellen beruflichen Aufstieg steigern.
Wie werden sich die globalen Trends auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland auswirken?
Eine erfolgreiche berufliche Weiterbildung erfordert sorgfältige Planung. Sie muss auf fundierten Informationen und realistischen Vorhersagen basieren. Was wissen wir heute schon über die Entwicklung des Fachkräftebedarfs in den Regionen, in den Branchen und Berufen und für die unterschiedlichen Qualifizierungsstufen?
Wo werden in Deutschland die meisten Fachkräfte gesucht?
Bei dem Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften gibt es deutliche regionale Unterschiede in Deutschland. Es sind vor allem die süddeutschen Bundesländer mit starker industrieller Basis, für die eine gesteigerte Nachfrage nach Fachkräften vorausgesagt wird.
Baden-Württemberg ist das Flächenland mit der größten Fachkräftelücke. Das gilt nicht nur für die aktuelle Situation in Ländle, sondern wird auch für das Jahr 2040 vorhergesagt.

Grafik: Auf- und Abbau von Arbeitsplätzen bis 2040 nach Bundesländern
In Baden-Württemberg entsteht von 2021 bis 2040 ein Netto-Mehrbedarf von 177.000 Arbeitsplätzen, dabei werden gleichzeitig 510.000 Plätze neu entstehen und 333.000 wegfallen. Gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2021 wird sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2040 um 13,4 Prozent aller Arbeitsplätze unterscheiden.
Welche Qualifizierungsstufen werden von den Entwicklungstrends profitieren?
Der technologische Wandel und die Transformation der Wirtschaft erfordern eine zunehmende Qualifizierung der Arbeitskräfte. So sind es vor allem die hochqualifizierten Fachkräfte, die Spezialist*innen und Expert*innen, die von den globalen Trends langfristig profitieren.
Für an- oder ungelernte Helfer*innen sowie für Fachkräfte ohne einen weiterführenden Abschluss wird es hingegen weniger Arbeitsplätze geben:
"Besonders Berufe, die klassische Sachbearbeitung, einfache Verwaltungstätigkeiten oder standardisierte Analyseaufgaben beinhalten, stehen unter Druck."

Grafik:
Basisprojektion des betrieblichen Bedarfs bis 2040, differenziert nach dem betrieblichen Anforderungsniveau 2021 bis 2040, relative Entwicklung gegenüber 2021 (= 100%)
Wie werden die Qualifikationsstufen definiert?
Bezeichnung |
Qualifikationsniveau |
|---|---|
Helfer | geringqualifiziert |
Fachkraft | Berufsausbildung (mindestens zweijährig) |
Spezialist*in | Fortbildungsabschluss (z. B. Meister, Techniker, Fachwirt) oder Bachelor mit wenig Berufserfahrung |
Expert*in | Diplom, Master oder Bachelor mit viel Berufserfahrung |
Welche Branchen werden den größten Bedarf an Fachkräften haben?
Es werden Arbeitskräfte vor allem in Branchen nachgefragt werden, die von den „Megatrends“ Digitalisierung, Demografie und Strukturwandel“ profitieren (Kubis & Schneider 2024, S. 58).
Dazu zählen die Branchen:
Pflege- und Gesundheit
Aufgrund des demografischen Wandels wächst mit dem Altern der Gesellschaft der Bedarf an qualifiziertem medizinischen Personal und Pflegekräften.Information- und Kommunikationstechnologie (IKT)
IT und Automatisierung erfordern immer mehr Fachkräfte, insbesondere in den Bereichen KI, Cybersecurity, Data Science und Software-Entwicklung. Der rasante technologische Wandel erfordert zudem kontinuierliche Weiterbildung.Nachhaltigkeit und Umwelt
Die Transformation der Wirtschaft durch Energiewende und Dekarbonisierung, die Ertüchtigung der Infrastruktur benötigen qualifizierte Fachkräfte auf unterschiedlichen Berufsfeldern.Bildung und Wissenschaft
Wandel und Transformation müssen gesteuert und begleitet werden. Dafür braucht es Lehrer:innen, Pädagog:innen und Wissenschaftler:innen, die das notwendige Wissen bereitstellen und vermitteln.
(Bertelsmann Stiftung: Zuwanderung und Arbeitsmarkt. Eine Analyse für Deutschland und die Bundesländer. Von Alexander Kubis und Lutz Schneider. Gütersloh 2024, S. 58).
Wie macht Südwissen Fachkräfte fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft?
Die berufliche Weiterbildung ist der Schlüssel, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu gestalten. Mit SÜDWISSEN steht Fachkräften ein Angebot zur Seite, das sie bei ihren persönlichen Zielen unterstützt.
In den Weiterbildungsangeboten von SÜDWISSEN erhalten sie:
akademische Qualität
Hochschulweiterbildung bietet wissenschaftlich fundierte Lerninhalte.anerkannte Abschlüsse
Der Großteil der Abschlüsse ist anerkannt nach dem Europäischen System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS). Absolvent*innen erwerben international vergleichbare Studienpunkte.zertifizierte Kurse
Alle Kurse sind evaluiert und gesiegelt mit dem evalag Qualitätssiegel. Erfahren Sie mehr über unsere Qualitätssicherung.ausgewiesene Expert*innen
Unsere Dozent*innen sind erfahrene Praktiker*innen und qualifiziert in Forschung und Lehre.aktuelles Praxiswissen
Die Hochschullandschaft in Baden-Württemberg kennt viele duale Studiengänge und ist einzigartig in ihrem Praxisbezug und der Kooperation mit Unternehmen. Erfahren Sie mehr über unsere Hochschulen & Anbieter.Zugang ohne Hürden
Für viele Angebote von SÜDWISSEN benötigt man keinen Hochschulabschluss. Oft reicht eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufserfahrung.vielfältige Weiterbildungsangebote
Ob mehrsemestriger Masterstudiengang oder Tageskurs: Bei SÜDWISSEN finden sich Weiterbildungsangebote für jedes Zeit- und Geldbudget. Erfahren Sie mehr über Formate & Abschlüsse.flexible Schulungsformate
Online, in Präsenz oder hybrid: Aus der Vielzahl der Angebote bei SÜDWISSEN können Sie das für Ihre persönliche Situation passende Format auswählen.finanzielle Förderung
Für berufliche Weiterbildung gibt es Unterstützung. Erfahren Sie mehr über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.
Für die persönliche Karriereberatung stehen Ihnen die Studienberater*innen an den Hochschulen und Universitäten in Baden-Württemberg zur Verfügung.
Wie können Betriebe dem Fachkräftemangel erfolgreich begegnen?
Berufliche Weiterbildung ist für Betriebe und Unternehmen die Chance, Fachkräfte langfristig an sich zu binden. Mit der fachlichen Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden können sie sich auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten und das Know-how in ihrem Unternehmen steigern.
Die Hochschulen und Universitäten bei SÜDWISSEN bieten dazu maßgeschneiderte Inhouse-Trainings für Unternehmen sowie ein breites Angebot an berufsbegleitenden Weiterbildungen für unterschiedliche Funktionen und Verantwortungsbereiche.
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