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Führungen gestalten: 5 Fragen zur Weiterbildung Natur- und Kulturvermittlung

Raus in Stadt und Land und endlich wieder was erleben! Nach dem langen Lockdown ist das für viele das erklärte Ziel. Und statt alleine durch Wald und Wiesen zu stapfen, wächst die Lust an professioneller Begleitung, die Aha-Effekte bringt: Wie sah das Leben im mittelalterlichen Stadtkern aus? Warum steht hier ein Gedenkstein? Welches Geheimnis versteckt sich hinter einem alten Baum?

Wie sich Führungen mit echtem Mehrwert gestalten lassen, zeigt die Weiterbildung Natur- und Kulturvermittlung, die auf dem Konzept der Heritage Interpretation beruht. Toni Bünemann, Leiterin der Wissenschaftlichen Weiterbildung der Universität Freiburg, und Programmkoordinatorin Maren Eichmeier stellen Ihnen den Kurs vor.

Weiterbildung im Fokus: Natur- und kulturvermittlung

Was nimmt man bei der Weiterbildung mit, was ist das größte Learning?

Toni Bünemann:
Zu den spannendsten Momenten des Kurses gehört, wenn die Teilnehmenden das Gelernte auf einem Spaziergang durch die Stadt oder den Wald anhand eines Natur- oder Kulturdenkmals umsetzen und dabei zeigen, wie sie die Prinzipien der Heritage Interpretation ganz persönlich und vor ihrem Fachhintergrund mit einer Fokusgruppe integrieren und dann Feedback über die Wirkung der Umsetzung bekommen. Das ist spannend, lustig und bewegend.

An wen richtet sich die Weiterbildung?

Maren Eichmeier:
Dieses Angebot bietet etwas für alle vermittelnden Berufe im Bereich Umwelt, Kultur und Kunst. Das reicht von Rangern in Naturparken über Lehrende und Weiterbildner*innen in Geschichte, Biologie, Geographie und Technik. Aber auch die Naturpädagogik und Arbeitsfelder der Umweltwissenschaft und Politik können viel damit anfangen. Natürlich ist das Zertifikat auch für Fachleute in Öffentlichkeitsarbeit und Tourismus sehr nützlich.

Was ist das besondere an der Weiterbildung Natur- und Kulturvermittlung?

Toni Bünemann:
Der Kurs vermittelt strukturierte Vermittlungsmethoden, um kognitive und emotionale Verbindungen zwischen Besucher*innen und dem zu schaffen, was es in der Natur, an einem historischen Ort zu entdecken gibt – oder mit einem Objekt! Dabei geht der Ansatz der „Heritage Interpretation“ über die bloße Vermittlung von Faktenwissen hinaus. Wie anders nimmt man wahr, wenn sich anhand unmittelbarer Erfahrungen tiefere Bedeutungen, Beziehungen und Einblicke enthüllen. Das Ganze ist möglich in einem geschlossenen Raum, z.B. im Museum, natürlich im Gelände und in Naturparks, aber auch im virtuellen Raum.

Die heutigen Herausforderungen umfassen Bildung für nachhaltige Entwicklung, Fragen des kulturellen Zusammenhalt Europas und natürlich vor allem die Herausforderungen für unsere Sicherheit, Gesundheit und Umwelt sowie die Verantwortung für unsere sozialen Strukturen, Werte und Wettbewerbsfähigkeit. Dem nähert man sich anhand von Kulturdenkmälern … es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, Migrationsbewegungen und ihre Folgen neu verstehen und nachempfinden zu können.

Wir haben zum Glück eine gute, aus der Gründungszeit des Vereins Interpret Europe e.V. stammende Zusammenarbeit der Uni Freiburg/Geographie mit diesem Verein und können dadurch den Teilnehmenden am Ende des Kurses die Zertifizierung als Interpretive Guide (CIG) ermöglichen.

Wie viele Teilnehmende erwerben erfahrungsgemäß das Zertifikat von Interpret Europe als Guide?

Maren Eichmeier:
Eine Teilnahmebescheinigung der Universität bekommen alle und es sind circa 80% der Teilnehmenden, die das Zertifikat von Interpret Europe erwerben. Das ist dann mit einer schriftlichen Ausarbeitung eines eigenen Projekts verbunden.

Was habe ich nicht gefragt, sollte man aber wissen?

Toni Bünemann:
Eine schöne Frage wäre: Können die angesprochenen Berufsgruppen das nicht schon alles?

Die Antwort ist: Selten werden Multiperspektivität, Zielgruppen- und Werteorientierung sowie Partizipation als zentrale Werte von Heritage Interpretation in den Berufsausbildungen und Studienfächern in Reinform gelehrt und geübt. Das holen wir einfach nach.

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Die fünftägige Weiterbildung Natur- und Kulturvermittlung ist eine Präsenzveranstaltung mit hohem Praxisanteil. Die Teilnehmenden lernen das Vermittlungskonzept kennen und setzen ihre neu erworbenen Kenntnisse bei Exkursionen in Freiburg und dem Umland gleich in die Praxis um.

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